Sich auftürmende Eisberge, klirrende Kälte und bunt wabernde Nordlichter... North macht es dem Hörer einfach sich genau dorthin zu versetzen: Wo das Debüt Album Chronostatic Scenes noch träumerisch und verspielt angelegt war, lässt sich Mastermind Tobias Hornberger nun von der Arktis inspirieren. North ist düster, kalt, dann wieder ätherisch schön wie die Eiskreationen am Nordpol unter der ewigen Mitternachtssonne. North ist still, beruhigend, bezaubernd, mystisch, alltagsbefreiend und bewusstseinserweiternd. Man schließt die Augen und wünscht sich wirklich dick eingepackt an einen einsamen aber atemberaubend schönen Platz in der Arktis, wo die kühle, klare Luft alle Sorgen und Probleme assimiliert und sich die Seele befreit, während sich der Ozean sanft plätschernd an den vorbeiziehenden Eisbergen bricht.
FALSE MIRROR gelingt es den Spannungsbogen der fünf überlangen Tracks immer aufrecht zu erhalten. Die in die ruhigen Klangwelten eingebetteten dramatischeren Elemente gehen homogen ineinander über, wie die einzelnen Tracks auch, setzen dabei gekonnt Akzente, ohne das übergreifende Stimmungsbild zu zerstören oder den Hörer einfach nur einzulullen. Manchmal schleicht sich ein verzerrtes Flüstern ein, wie am Ende von BFT, oder schaffen dezent eingesetzte Percussions eine mystische Stimmung (Novaya Zemlya), imitieren Samples das Rufen der Wale; ein bisschen wie beim Whalerider Soundtrack. Unglaublich schön, intensiv und berührend - Selbst Europas Jahrhundertsturm Kyrell hat teil an North, denn einige direkte Aufnahmen finden sich in Tracepath wieder.
Einzig kleiner Wermutstropfen ist das spärlich illustrierte Booklet. Nur eine Doppelseite mit einer Zeichnung drin, die - wie das Cover - lange nicht die Magie der Arktis auch nur annähernd einfängt. Da hätte man sicher ein bisschen mehr draus machen können.
Wer es liebt, sich in ausgedehnten Klanglandschaften zu verlieren, ist hier genau richtig!